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Interessantes Projekt: Forschung/Sozialpsychiatrie | Drucken |

DISCOS zielt darauf ab, die Fundamente der menschlichen Persönlichkeit
und deren krankhafte Störungen interdisziplinär zu erforschen. Dabei
werden natur- und geisteswissenschaftliche Perspektiven zu
ganzheitlichen Erkenntnissen verschmolzen, die zu einem tieferen
Verständnis und einer besseren Behandlung von seelischen Krankheiten
beitragen.

Europaweites Ausbildungsnetzwerk wird etabliert

Gleichzeitig wird DISCOS ein europaweites Ausbildungsnetzwerk
etablieren: Durch gezielte Personalrotation zwischen den Standorten
soll die fächer- und kulturübergreifende Kompetenz der beteiligten
Forscher aus Neurowissenschaft, Philosophie, Psychiatrie,
Psychosomatik und Entwicklungspsychologie weiterentwickelt werden. Von
den jungen Forscherinnen und Forschern, die an dem Projekt beteiligt
sind, wird deshalb erwartet, dass sie zweimal für jeweils einige
Monate an eine andere Universität und in eine andere Disziplin
wechseln.

"Das Selbstverständnis des Menschen steckt gegenwärtig in einer
Krise", erklärt Professor Thomas Fuchs, Heidelberg. "Diese Krise wirft
Fragen auf, die nur in einer gemeinsamen Anstrengung von Natur- und
Geisteswissenschaften beantwortet werden können". Der Oberarzt an der
Heidelberger Psychiatrischen Klinik ist der Koordinator von DISCOS.

Die bedrohte Einheit des Selbst

"Dass man mit sich selbst identisch ist, erscheint jedem von uns im
Alltag so selbstverständlich, dass wir gar nicht darüber nachdenken,"
so Professor Fuchs. Als ein in einem Körper verankertes Bewusstsein,
als Person mit Leib, Seele und Geist befinden wir uns normalerweise
mit uns selbst im Einklang, und erleben das, was Wissenschaftler als
Selbstkohärenz bezeichnen.

Psychische Erkrankungen wie Schizophrenie, Depressionen oder
Borderline-Störungen lassen diese Einheit brüchig werden oder gar
zerbrechen. Jeder fünfte Mensch, so schätzen Fachleute, leidet einmal
in seinem Leben an einer so ernsten psychischen Störung - mit
steigender Tendenz: Der beschleunigte Wandel der Gesellschaft, die
Auflösung familiärer Strukturen und der Verfall traditioneller
Rollenmuster in den Turbulenzen der Globalisierung erschweren dem
Einzelnen die Ausbildung und Beibehaltung einer stabilen Identität.

Gleichzeitig stellen aber auch einzelne Wissenschaften, sei es die
Hirnforschung oder die Kultursoziologie, das autonome
Selbstbewusstsein des Menschen zunehmend in Frage. Ist das Selbst
vielleicht nur eine Einbildung, ein illusionäres Konstrukt des
Gehirns? Ist unsere Autonomie eine Selbsttäuschung? Wenn die
individuelle Verantwortlichkeit in Zweifel gezogen wird, hat dies
weitreichende Folgen für die Gesellschaft.

Gemeinsame Erkenntnisse zum Selbst erarbeiten

Die bedrohte Einheit des Selbst stellt die Gesellschaft vor
grundlegende kulturelle, wissenschaftliche und therapeutische
Aufgaben, zu deren Lösung Natur- und Geisteswissenschaften
zusammenarbeiten müssen. Jede Disziplin neigt bislang dazu, denjenigen
Teil der menschlichen Person, den sie mit ihrer Methode sieht, als das
Ganze auszugeben. Diese Beschränkung durch die Integration von
Disziplinen, den Austausch von Forschern und den Aufbau gemeinsamer
Erkenntnisse zu überwinden, ist das Ziel von DISCOS.

Getragen wird DISCOS von den Universitäten Heidelberg (Psychiatrie),
München (Psychosomatik), Mainz (Philosophie), Kopenhagen (Philosophie/
Psychopathologie), Budapest und London (beide
Entwicklungspsychologie), Lüttich, Lyon und Parma (alle
Neurowissenschaften).

Drei Ziele für die nächsten Jahre

Drei übergreifende Ziele hat sich das DISCOS-Netzwerk für die
kommenden Jahre gesteckt - und damit die geldgebenden EU-Institutionen
überzeugt:

1. Integrierte Wissenschaft: Erstmals sollen empirische und
theoretische Forschungsergebnisse zu einem mehrschichtigen,
dynamischen Modell des menschlichen Selbst und seiner Störungen
verschmolzen werden.

2. Kommunikation: Damit diese Ergebnisse nicht nur in der Fachwelt zum
Tragen kommen, sollen einerseits diagnostisch-therapeutische
Leitlinien für die Medizin, anderseits verständliche Informationen für
die allgemeine Öffentlichkeit vermittelt werden. Dazu soll
insbesondere die Kooperation mit dem Schattauer-Verlag in Stuttgart
beitragen, der an dem Netzwerk mitbeteiligt ist.

3. Fächerübergreifendes Ausbildungsprogramm: Ein gemeinsames
Curriculum und Gastaufenthalte junger Wissenschaftler an anderen
Standorten sollen dazu beitragen, die Zersplitterung der Erforschung
des Selbstbewusstseins zu überwinden. "Das Training für junge
Forscherinnen und Forscher in diesem integrierten Modell ist
einmalig", sagt Peter Henningsen, Direktor der Psychosomatischen
Universitätsklinik der TU München, der diese Maßnahmen koordiniert.
"Es könnte sich eines Tages als ein entscheidender Wettbewerbsvorteil
für die europäische Forschung erweisen."

Kontakt:
Professor Dr. Dr. Thomas Fuchs
Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 2744 (Sekretariat)
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Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.:   06221 / 56 45 36
Fax:    06221 / 56 45 44
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Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
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Arten der Pressemitteilung:
Forschungsergebnisse
Forschungsprojekte

Sachgebiete:
Medizin und Gesundheitswissenschaften
Psychologie





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Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 31. Januar 2007 )